Familie

Begleitung von lebensverkürzt erkrankten Kindern, Geschwisterkindern, Eltern, Großeltern sowie trauernden Familien

 

Mein kleiner Hase,

heute vor einem Jahr hast Du uns verlassen. Ein Schwarm Wildgänse hat Dich mitgenommen und nach all den Begrenzungen, die Du in deinem Leben hattest, warst Du endlich frei, dahin zu gehen, wo es Dir gut geht. Es fällt mir schwer, das so zu sagen – dahin wo es Dir gut geht, denn wo hätte es Dir besser gehen sollen als bei uns?

Du bist immer noch jeden Tag bei uns – Jan spricht oft von Dir, wir denken oft an Dich, Stefan hat Dir eine wunderschöne Lampe gemacht, die jetzt, wo es wieder dunkel wird, bunt auf Deinem Grab leuchtet. Das Leben hat sich in den letzten Monaten verändert – Du bist nicht mehr mein allererster Gedanke, wenn ich aufwache und nicht mehr mein letzter, bevor ich einschlafe. Aber dazwischen bist Du immer wieder da; alles was ich tue, tue ich heute anders, weil es Dich gegeben hat. Und weil es Dich jetzt nicht mehr gibt.

Ich kann nicht in Worte fassen, wie Du mir fehlst. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, Dich im Arm zu halten und ich finde das schlimm. Die Tube, mit der Creme, mit der wir Dich immer massiert haben, steht noch hier. Manchmal rieche ich daran, und dann fällt mir wieder ein, wie Du manchmal bei der Massage damit eingeschlafen bist.

7 Monate alt bist Du geworden. Ich frage mich oft, was wohl aus euch beiden Brüdern geworden wäre – der eine so hellblond und introvertiert, der andere rothaarig und …Wir werden es nie erfahren. Wie wärest Du wohl geworden, wenn die Ärzte besser auf Dich aufgepasst hätten. Wärst Du ein Sportler geworden oder ein Musiker – ein „Müllautofahrer“ wie es Dein großer Bruder mal wollte oder ein Handwerker wie Dein Opa? So viele Möglichkeiten hättest Du gehabt, aber nie eine wirkliche Chance. Jan möchte gerne Astronaut werden, damit er in den Himmel fliegen und Dich wieder zu uns herunter holen kann. Er rennt immer noch jedem Schmetterling hinterher und ruft „Da ist Tim !“. Er hat sich das irgendwie so für sich zurecht gelegt und es scheint ihm damit gut zu gehen.

Für mich hat der Tod, nachdem Du uns verlassen hast, an Schrecken verloren. Ich glaube fest daran, dass wir uns – wo auch immer – alle wiederfinden werden und dann kann es so schlimm nicht werden. Wir werden dank Dir immer eine ganz besondere Familie sein – drei Familienmitglieder, die auf der Erde wohnen und einer von uns, der mal auf einer Wolke, auf seinem Stern oder als Schmetterling in unserer Nähe ist.

In Liebe
Deine Mama

Dies sind die Worte einer betroffenen Mutter, die in Briefen an ihren verstorbenen Sohn ihre Gefühle niederschreibt und ihrer Trauer so Ausdruck verleiht. Ein Jahr nach dem Tod ihres Kindes machen diese Zeilen deutlich, dass die Trauer um ihren Sohn nicht aufhört. Vielmehr verändert sie sich im Laufe der Zeit, aber verschwinden tut sie nie. Immer wieder gibt es im Alltag Momente, spontane Begebenheiten, ein plötzliches Erinnern, vielleicht ein Lied, einen bestimmten Geruch, das Lachen anderer Kinder und schon rückt das so geliebte und sehnlichst vermisste Kind zurück in die Gedanken.

 
Der Verlust eines Familienmitgliedes stellt eine gewaltige Erschütterung der Lebensumstände dar, gleichgültig ob jemand plötzlich oder nach langer Krankheit verstirbt, ob er freiwillig aus dem Leben geschieden ist, alt oder sehr jung war. Die Angehörigen sind oft dadurch mit einer der schwersten Krisensituation ihres Lebens konfrontiert, das alltägliche Familienleben bricht zusammen, nach dem Tod einer geliebten Person ist nichts mehr wie es vorher war. Niemand ist vorbereitet darauf, was Trauer mit ihm macht, welche Ausmaße sie annehmen kann.

Jede beteiligte Person trauert anders, zeigt unterschiedliches Verhalten und gibt ihren Gefühlen nicht immer im gleichen Maße Ausdruck. So sieht man z.B. gerade bei Erwachsenen und Kindern bedingt durch ihr Alter und ihre Lebenserfahrungen sehr verschiedene Reaktionen auf Verlust. Ebenso zeigen Männer und Frauen häufig unterschiedliche Verhaltensweisen in ihrem Trauerprozess und nicht selten kommt es so zu starken Differenzen innerhalb einer Ehe oder Partnerschaft. Niemand darf Trauernden vorschreiben, wie sie zu trauern haben, wie lange sie trauern dürfen, wie laut oder leise sie ihren Schmerz in die Welt tragen sollen. Es gibt kein richtiges oder falsches Trauern.

Wir möchten Sie als Familie in dieser Situation nicht alleine lassen. Gerne stehen wir als unterstützender „Begleiter“ in dieser schweren Zeit an ihrer Seite. Wir unterstützen Ihre gesamte Familie. Trauernde Kinder begleiten wir altersentsprechend durch ihren ganz persönlichen Weg des Abschiednehmens. 

Für die Bewältigung dieser Ausnahmesituation benötigen Kinder, Eltern und nahe stehende Personen Hilfestellung und Begleitung. Nehmen Sie bei einem Trauerfall innerhalb der Familie oder des Freundeskreises Kontakt zu uns auf. Gemeinsam finden wir ein auf den Trauerfall abgestimmtes Begleitangebot für Ihre Familie.